KULTURHUNGER

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„Ich steh hier und singe“ – heute am Samstag, 14.11.2020 stand eigentlich wieder ein MITTAGSKLANG im Programm.

Wie gerne hätten wir mit der Kantorei der Kreuzkirche gerade diese Musik in dieser Zeit gesungen…

„Nein, das ist keine Freude. So viel mußten wir schon absagen, jetzt auch noch die Motette „Jesu meine Freude“. Ach, was haben wir schön geübt, alles ordentlich mit Abstand und hygienisch sowieso. Wir waren fit für heute und morgen. Und nun, auf der Zielgeraden fallen wir dem Lockdown zum Opfer, sehen deren Notwendigkeit ein, und fügen uns. Doch, gibt es da nicht Hoffnung?  „Weicht ihr Trauergeister“ heißt es in der Motette am Schluß. Das sollte uns Verheißung sein. Es werden bessere Zeiten kommen und wir werden „Jesu meine Freude“ mit Freude singen.“ (Roland Horn, Kantorei der Kreuzkirche)

„Tobe Welt und springe, ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh“ setzt Bach ca. 1723 in unvergleich bewegende Töne. Heute, im November 2020 mutet dieser Text so unglaublich aktuell wie provokant an. Singen ist verboten…und doch stehe ich hier und singe und trotze der Welt.

Bachs Motette ist eine Begräbnismusik. So ist sein „dennoch, ich stehe hier“ ein Hoffnungsschimmer in der Verzweiflung angesichts des Todes. Das kann uns auch heute Leitstern sein, nicht aufzugeben in einer Situation, die uns schmerzhaft aus unserem „normalen“ Leben katapultiert.

Karin Freist-Wissing

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